Nestle und das schmutzige Geschäft mit dem Kakao

Hier ein zusammengefaster Bericht von Miki Mistrati, was er bei seinen Nachforschungen, ob die Schokoladenhersteller ihre Versprechen einhalten, herausgefunden hat. Er ist dafür extra nach Ghana gereist, und hat dort recherchiert. Leider wurde ihm die Einreise an die Elfenbeinküste durch die Schokoladenhersteller wie Nestle oder Mars verweigert. Aber ein Freund der an der Elfenbeinküste zuhause ist hilft ihm bei seinen Recherchen

Nestle ist der Weltgrößte Schokoladenhersteller mit einem Jahresumsatz von 81.133.900.000 Milliarden Euro im Jahr 2015. Jose Lopez ist Generaldirektor und verantwortlich für die Warenkette. Des weiteren hat er dafür Sorge zu tragen, daß auf den Kakaoplantagen von denen Nestle seinen Kakao bezieht, keine Kinderarbeit geduldet wird. Er versicherte Miki Mistrati über eine Stunde lang, daß auf ihren Plantagen keine Kinderarbeit geleistet wird und die Kinder zur Schule gehen könnten.

Miki Mistrati wollte sich aber selbst ein Bild davon machen und stellte einen Visumantrag in der schweizerischen Botschaft der Elfenbeinküste. Man sagte ihm er brauche die Einladung einer Schokoladenfirma um ein Visum zu bekommen. Er schrieb Emails an Nestle, Hersheys, Mars, Cargill, Kraft, Barry Callebraut, Cocoa, ADM und Hoco. Leider ohne Erfolg. Niemand wollte daẞ er die Plantagen zu Gesicht bekommt!

Miki hat daraufhin seinen Freund Aboa an der Elfenbeinküste via Skype angerufen, und gefragt wie es denn um die sogenannten Projekte der Schokoladenhersteller steht. Aboa der Spezialist ist für Kakao auf der Elfenbeinküste, sagte klipp und klar daß gar nichts passiert und Nestle verbreite nur Lügen in den Medien. Man muss dazu wissen daß die Elfenbeinküste der Hauptlieferant für Kakao auf dem deutschen Markt ist, und Aboa dort ein sehr wichtiger Mann.

Daraufhin fliegt Miki ins Nachbarland Ghana. Ghana hat eine Kakao-Operative namens Source Trust deren Ertrag 25% des Kakaoweltmarktes abdeckt. Hier trifft er sich mit Aboa. Da Miki nicht in die Elfenbeinküste einreisen darf, vereinbaren sie daß Aboa die Projekte von Nestle, MCM und Mars besucht und die Zustände dort dokumentiert.

Miki besucht in der Zeit die Kooperative „Source Trust“ in Ghana. Dort gibt es ca. 100.000 Kleinbauern die an der Armutsgrenze leben, und keine Aussicht auf Besserung haben weil der Kakaopreis so schlecht ist. Zur Ausbildung der Bauern durch Source Trust gehören auch Informationen darüber, was als missbräuchliche Kinderarbeit gilt und gesetzlich nicht gestattet ist – analog zu den Aufklärungskampagnen des Staates Ghana. Anhand von Zeichnungen wird den oft nicht lesekundigen Farmern aufgezeigt, welche Arbeiten für Kinder schädlich oder gefährlich sind – das Tragen von sehr schweren Lasten, das Öffnen der Früchte mit einer Machete, das Hantieren mit Pestiziden. Einfachere Mithilfe wie Wasser holen oder das Einsammeln der Früchte durch Kinder ist davon nicht betroffen. Durch diese Sensibilisierung – die die Behörden auch über Plakate, Radio und TV sowie das Entsenden von staatlichen Kontrolleuren in die Anbaugebiete vorantreiben – sei Kinderarbeit zum Thema geworden und habe in den letzten Jahren stark abgenommen, ist man bei Source Trust und bei den Behörden gleichermaßen überzeugt. Melody Attah von der Kontrolleinheit des staatlichen Cocoa Board bestätigt denn auch, dass die soziale Kontrolle unter den Bauern weitgehend funktioniere. Bei Verdacht auf Kinderarbeit werde zuerst das Cocoa Board aktiv, bei Verstössen gegen die Children’s Act von Ghana ermittle die Polizei. Zudem hat Source Trust ein System entwickelt das mit computergestütztem Barcodelabel und eigenen Lagerhallen die Rückverfolgung der Bohne bis zum Bauern garantiert.

Miki fragt nach ob es denn Probleme mit Kinderarbeit bei Source Trust gebe. Man sagt ihm daß es hier keine Probleme gibt mit verschleppten Kindern aus Nachbarländern, und ihr eigenen Bauern werden sensibilisiert, ihre Kinder in die Schule zu schicken und nicht auf die Plantagen.

Miki besucht eine der Kakaobauernfamilien, die für Source Trust den Kakao anbauen. Ihre derzeitige Arbeit ist das Ernten der Früchte und die Bohnen in der Sonne trocknen. Auf Mikis Nachfrage ob sie denn von Kakao Leben können, schüttelt der Bauer den Kopf, denn es ist sehr schwer für sie. Der Kakaopreis wird vom Staat festgesetzt, und liegt weit unter dem Weltmarktpreis. Der Bauer erzählt, daß er in einem guten Jahr etwa 1000 Euro verdient. Davon muß er seine Frau und drei Kinder ernähren. Einen höheren Kakaopreis kann die Regierung nicht bieten, sonst kaufen die Firmen ihren Kakao in anderen Ländern ein.

Abaoa nähert sich inzwischen dem Hauptanbaugebiet für Kakao an der Elfenbeinküste. Miki und Aboa haben 4 Jahre lang versucht eine Liste von all den Schulprojekten zu bekommen die von den Schokoladenfirmen finanziert werden. Aber leider ohne Erfolg. Deshalb startet Aboa seine Besuche nach dem Zufallsprinzip. Er startet mit einem Projekt das von ICI finanziert wird. ICI ist eine Stiftung die von den Schokoladenherstellern ins Leben gerufen wurde, um Kinderarbeit zu vermeiden. Die Finanzierer von ICI haben zusammen einen Jahresumsatz von 134.000.000.000 Euro. ICI konnte davon lediglich 388.000 Euro für Hilfsprojekte ausgeben. Trotzdem wird per Video stolz von den Erfolgen durch ICI auf den Internetseiten der Schokoladenhersteller geprahlt. ICI behauptet Schulen, Krankenhäuser und Wasserversorgung zu bauen mit Hilfe der Caritas.

Aboa macht sich auf den Weg eine Schule zu besuchen, die von ICI für 10.000 Euro gebaut wurde. Am Zielort angekommen findet er nur eine halbfertige Ruine vor. Ein paar Wände ohne Dach! Der Schuldirektor Raphael Amani erzählt. Wir waren so froh daß ICI und Caritas uns zu Hilfe kamen, denn die alte Schule hatte nicht genug Klassenzimmer für die ganzen Kinder. Zudem ist die alte Schule undicht und baufällig. Bei Regen stehen die Klassenzimmer unter Wasser. Im Dorf leben 500 Kinder die in die Schule gehen müssen. Der Direktor erzählt von dem Tag als ICI und Caritas kamen. Man sagt Ihnen die Schule muss zu 50% vom Dorf finanziert werden. Also gingen sie herum und sammelten Geld von den Dorfbewohnern. Dann wurde mit dem Bau durch die Dorfbewohner, ICI und Caritas begonnen. Als die Schule halb fertig war, haben sich Caritas und ICI nicht mehr sehen lassen. Den versprochenen Anteil von 6000 Euro hat ICI bis heute nicht bezahlt. Auch wurde ihnen finanzielle Hilfe im Kampf gegen Kinderarbeit von ICI versprochen. Allerdings blieb es nur bei dem Versprechen, Geld kam nie. Überall im Dorf sieht man Kinder mit Harken und Macheten arbeiten. Der Elternsprecher der Schule erklärte, der Schulbesuch ist umsonst, aber die Eltern müssen Stifte, Bücher und Papier selbst bezahlen. Bei einem Jahreseinkommen von 700 Euro, ist das für viele zu teuer. Währen Aboa mit dem Elternsprecher redete, hat sich ein Kind mit der Machete ins Bein gehackt. Der Kameramann des Teams leistete erste Hilfe, da es keine medizinische Versorgung im Dorf gibt. Aboas Team hat das Kind ins nächste Krankenhaus gebracht und ließ es dort auf eigene Kosten medizinisch versorgen. Der Elternsprecher erzählt, daß die Familien ihre Kinder nur bei einer guten Ernte in die Schule schicken könne, da der Kakaopreis seit Jahren im Keller ist. Wer sich die Schule für seine Kinder nicht leisten kann, schickt sie arbeiten. Deshalb häufen sich auch Machetenunfälle mit Kindern. Laut internationalem Arbeitsrecht, dürfen Macheten eigentlich erst ab 18 Jahren verwendet werden. Im Dorf sieht man Kinder unter 10 Jahren, die mit Macheten hantieren. Nach einem Bericht des US-Arbeitsministeriums, verletzen sich jährlich mehr als 400.000 Kinder bei gefährlichen Arbeiten auf Kakaofarmen. Zusammenfassend kann man sagen, daß das von Aboa besuchte Projekt keine Erfolgsgeschichte ist.

Miki besucht nun ein Projekt in Ghana das von Source Trust kontrolliert wird. Der Leiter erzählt ihm, daß er alle Bauern persönlich kennt. Jeder Bauer bekommt Säcke mit seinem eigenen Barcode, um die Ware bis zum Bauern zurückverfolgen zu können. Das möchte Miki genauer wissen, und fährt zu einer Source Trust Sammelstelle. Im Lager nimmt er den Barcode eines beliebigen Sackes und läßt ihn im Büro auf seine Herkunft prüfen. Als der Computer nichts findet, werden die Druckbelege nervös durchsucht. Auch die hochrangigen Manager von Source Trust, die dabei sind um die Dreharbeiten zu überwachen, werden nervös. Sie wollen aber nicht vor die Kamera treten. Als die Druckbelege auch nicht ergaben, kamen die Mitarbeiter vor ihren hohen Chefs sehr ins schwitzen. Es hat den Anschein, als haben sie Angst vor ihnen. Ein zweiter Sack brachte dann das gleiche Ergebnis. Als Miki daraufhin das Lager unverrichteter Dinge wieder verlässt und in seinem Auto saß, klingelte das Telefon. Es war einer der Source Trust Manager. Er sagte die Unterlagen zu dem Sack sind im Nachbardistrikt. Also fuhr er in den Nachbardistrikt und besuchte das 2 Source Trust Lager. Dort konnte man dann die beiden Säcke identifizieren, und die Mitarbeiter und Manager waren sehr erfreut. Dieses Projekt schein auf den ersten Blick ein Erfolg zu sein.

Aboa besucht jetzt das zweite Projekt an der Elfenbeinküste. Dieses ist ein Vorzeigeprojekt der Industrie. Es wird durch die Schokladenfirmen oft im Internet und Fernsehen beworben. Als Aboa dort ankommt, scheint auf den ersten Blick alles gut. Es wurden 3 Klassenzimmer und 2 Lehrerzimmer gebaut. Aber dann findet er die alte baufällige Schule, die ICI und Caritas renovieren wollten. Aber leider passierte seit Jahren nichts. Im Gespräch mit dem Dorfvorsteher Iyouboue Casimir erfährt Aboa, daß ICI und Caritas die alte Schule renovieren wollten und drei weitere Klassenzimmer bauen. Dazu noch Wohnmöglichkeiten für Lehrer, drei Wasserpumpen und ein Krankenhaus. Aber nichts wurde gebaut, es waren alles leere Versprechungen. Im Dorf leben 800 Kinder von denen nur 200 zur Schule gehen können, denn mehr Platz ist in den drei Klassenzimmern und der alten Schule nicht. Die alte Schule ist aber eigentlich nicht mehr nutzbar, denn die Wände aus Lehm und Bambus fallen schon zusammen. Die ganze Schule ist nur noch ein Schrotthaufen. Da nur 200 Kinder die Schule besuchen können, müssen die anderen 600 auf den Feldern arbeiten. Zurück auf dem Weg zum Dorfoberhaupt sieht Aboa überall Kinder, die eigentlich in der Schule sein müssten. Das Dorfoberhaupt Guy Gheone erzählt ihm, daß ICI ins Dorf gekommen ist und ihnen erklärt hat, daß die Kinder nicht auf den Feldern arbeiten dürfen. Sie haben ein Recht auf Schule. Also schickten die Eltern ihre Kinder in die Schule. Als sie dort ankamen, wurden sie wieder fortgeschickt, denn die Schule hatte keinen Platz mehr. Jetzt müssen die Kinder wieder auf den Plantagen arbeiten.

Vor 4 Jahren hat ICI sogar im TV versprochen, daß kein Kind mehr illegal auf den Feldern arbeiten müssten. Sie sagten aber nicht, daß es nur Klassenzimmer für 200 von 800 Kindern gibt!

Aboa reist weiter nach Meagui im Norden der Elfenbeinküste. Er möchte ein Projekt von Source Trust besuchen, das eine Farmerschule dort leitet. Wer diese Schule gemacht hat, bekommt ein Gütesiegel für nachhaltigen Anbau ohne Kinderarbeit das sogar UTC zertifiziert ist. Die Schule wird von Corgill und der UTC finanziert. Das Erste auf dem Weg durch die Plantagen des Projekts das Aboa findet, ist ein Kind von etwa 10 bis 12 Jahren, das Kakao mit der Machete erntet. Er fragt ihn, warum er nicht zur Schule geht. Er sagte sie haben ihn nicht angemeldet, denn er muss zuerst die Arbeit fertig machen. Ein paar Meter weiter findet er einen 10 jährigen Jungen bei der Arbeit. Ihm wurde gesagt, er kann nicht zur Schule weil die Lehrer immer krank sind. Es stellt sich heraus, daß die Kinder aus dem 1500 km entfernten Burkina Faso in Afrika stammen. Sie wurden Opfer von Kinderhändlern.

Also wird gegen die Vorschriften von Cargill und UTC Kinderarbeit in diesen Projekten betrieben. Aber warum überwacht das niemand von Cargill und UTC? Die Schokoladenfirmen wissen genau was in ihren Projekten läuft, deshalb hat Miki auch keine Einladung von irgendeiner Schokoladenfirma an die Elfenbeinküste bekommen, und somit kein Visum. Daran erkennt man welchen Einfluss die Firmen auf das Land haben.

Das nächste Projekt dem Aboa einen Besuch abstattet ist die Farmerschule Impact Project. Das wird finanziert von Mars, ICI und Rainforest Alliance(RFA). Die Bundesregierung hat dieses Projekt mit 720.000 Euro bezuschusst. RFA verspricht in der Werbung, nur Kakao zu verwenden der nachhaltig Angebaut, und ohne Kinderarbeit geerntet wurde. Aber auch hier findet Aboa nur Kinder auf den Feldern die mit Macheten arbeiten. Auf der Farmerschule die für die Bauern gedacht ist, lernen die Kinder wann man den Kakao erntet, einsammelt und wie er getrocknet wird. Wenn die Ernte eingeholt ist, müssen die Kinder die Felder bis zur nächsten Ernte sauber halten. Das bedeutet, mit Macheten und Harken alles frei von Gestrüpp halten. Man erklärt ihnen, daß auch Kinder auf den Feldern arbeiten müssen. In diesem überwachten Projekt, geht kein einziges Kind zur Schule!

Als Miki mit den Filmaufnahmen wieder zuhause ist, bietet er es den Schokoladenfirmen zur Ansicht an. Es meldet sich Nestle, sie wollen die Aufnahmen über die Projekte sehen an denen sie beteiligt sind. Das ist jetzt Mikis dritter Besuch bei Nestle. Beim Ersten kam er gar nicht rein, beim Zweiten nur ohne Kamera und jetzt beim dritten darf eine Kamera dabei sein. Beim sichten des Materials war der Nestlesprecher sichtlich geschockt, und versprach Besserung

Als Van den Groot von UTC das Material sah, versprach er alles daran zu setzen daß Kinderarbeit auf ihren Projekten abgestellt wird

Edward Millard, Direktor von Rainforest Alliance erkannte im Video sein Projekt wieder und war sichtlich entsetzt

ICI sagte, sie überwachen ihre Projekte mit Nichtregierungsorganisationen vor Ort. Als Miki ihm das Videomaterial zeigte, brach er ein und gab zu, daß ICI sich nicht um ihre Projekte kümmert. Allerdings sagte er zum Abschluss, er wäre stolz auf das was ICI an der Elfenbeinküste auf die Beine gestellt hat. Was war das gleich nochmal? Ah ja Kinderarbeit, geduldeter Menschenhandel….

Mars und Cargill hatten kein Interesse, das Videomaterial über ihre Projekte zu sehen!

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