Die Kindheit behalten

Es ist Samstag 3.30 Uhr als ich wach werde. Noch eine halbe Stunde bis der Wecker klingelt. Aufgeregt drehe ich mich in meinem Bett hin und her.
Meine Freunde und ich radeln heute an den Karoweiher zum Angeln. Um 4.30 Uhr steh ich fertig bepackt vor unserem Haus. Die anderen Jungs sind auch schon da und so radeln wir los. 4 Freunde treten in Richtung Sonnenaufgang. Als wir nach etwa 15 Minuten die Stadt hinter uns lassen, geht es weiter über Wald und Feldwege. Plötzlich sehen wir in der aufgehenden Sonne einen Fuchs über die Wiese laufen. Wir werfen unsere Räder hin und legen uns in die Wiese um ihn zu beobachten. Er lief mit einer Maus im Maul Richtung Waldgrenze. Auf allen Vieren krochen wir leise hinterher und konnten den Fuchsbau sehen, in dem er wohl verschwunden ist. Nach einer gefühlten Ewigkeit (für 12 jährige sind 10 Minuten verdammt lang), sahen wir wie zwei Fuchsjunge aus dem Bau kamen, gefolgt von einem Elterntier. Vor lauter Begeisterung darüber, waren wir zu laut und die kleine Fuchsfamilie flüchtete. Also zurück zu den Rädern und weiter gehts.
Es war mittlerweile schon später Vormittag, als wir am Weiher ankamen. Der Weiher ist ein ehemaliger Löschweiher, der seit zig Jahren sich selbst überlassen war. Er wurde an einer Seite vom Schilf eingenommen und an den Uferkanten gab es viele Seerosenfelder. Überall sah man bunte Schmetterlinge und Libellen. An der Wasseroberfläche schnappten große Karpfen nach Nahrung.
Wir packten unsere Rucksäcke aus und machten ein Lagerfeuer, damit wir die mitgebrachten Würste auf einem Stock bruzzeln konnten. Währen uns die Enten skeptisch beobachteten, kam eine Bisamratte des Weges und mopste uns ein Stück Brot. Nach dem Essen warfen wir unsere Angeln aus und warteten daß ein Fisch anbeißt. Als uns das zu langweilig wurde, erkundeten wir das Ufer und entdeckten knietief im Schlamm watend, noch das ein oder andere Tier im Schilf. In bleibender Erinnerung blieb uns allerdings ein Schwan, der wohl sein Nest dort hatte und uns als Gefahr sah. Er schlug uns siegreich in die Flucht.
Mittlerweile war es später Nachmittag und an der Zeit die Heimfahrt anzutreten. Wir packten zusammen und schwangen uns vor Dreck stehend auf unsere Fahrräder. Zuhause angekommen, gab es erst mal einen Rüffler von der Mutter weil ich aussah wie ein Minenarbeiter. Frisch geduscht und überglücklich ging ich dann ins Bett.

Heute als Erwachsener mache ich das gleiche wie damals, nur halte ich dabei die Kamera in der Hand und nenne es Naturfotografie.
Ach ja, je mehr die Frau schimpft wie damals die Mutter über die dreckigen Klamotten, desto besser sind die Bilder!

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