Maroder Atommeiler-Region Aachen verteilt Jodtabletten

In der Region Aachen schauen die Bewohner schon lange besorgt Richtung Belgien. Grund ist der marode Atommeiler Tihange. Am Freitag beginnt in der Region nun die vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten. Das könnte neue Verunsicherung schaffen.

Seit Jahren gilt das belgische Atomkraftwerk Tihange als Riskofaktor. Immer wieder waren Pannen im AKW bekannt geworden. Tausende Haarrisse im Reaktorbehälter, Sabotage, brennende Schalttafeln – und der Meiler ist nur knapp 65 Kilometer Luftlinie von der Städteregion Aachen entfernt.
Am Freitag beginnt im Aachener Grenzland nun die vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten für den Fall eines AKW-Unfalls. Die Region hatte beim Land Nordrhein-Westfalen darauf gedrungen, die Bevölkerung schon jetzt mit den Tabletten zu versorgen, da Politik und Verwaltung bezweifeln, dass dies im Ernstfall rechtzeitig gelingen kann. Die Maßnahme wurde bundesweit bisher nur in Ausnahmefällen zugelassen.

 

Kostenlos und hochkonzentriert

In der Region Aachen und drei angrenzenden Kreisen können Menschen, die 45 Jahre und jünger sind, Schwangere und Stillende Bezugsscheine über einen Link im Internet beantragen. Damit bekommen sie bei beteiligten Apotheken kostenlos hochkonzentrierte Jodtabletten. Die Behörden rechnen damit, dass mehr als jeder Dritte das Angebot wahrnimmt. Damit sie vor Schilddrüsenkrebs schützen, dürfen die Tabletten nur nach einer entsprechenden Information der Behörden eingenommen werden.
Die Strahlenschutzkommission rät über 45-Jährigen von den Jodtabletten ab. Das Risiko von Nebenwirkungen sei dann höher als das Risiko, später an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Bundesweit werden die Tabletten zentral gelagert und nur im Bedarfsfall ausgegeben. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass die Tabletten zu früh eingenommen werden und nicht wirken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.