Die Opfer des Klimawandels sind die neuen Flüchtlinge

In dieser Doku kommen drei Opfer des Klimawandels in Fidschi zu Wort. Sie zeigen, wie der Anstieg des Meeresspiegels, Unwetter und Erosion ihre Heimat und Nahrungsgrundlagen bedrohen und zerstören. Wenn die westlichen Länder nicht schleunigst etwas gegen den Klimawandel unternehmen, werden diese Menschen ihre Heimat verlieren. Aber wo sollen sie dann hingehen? In der Genfer Konvention sind Klima oder Umweltflüchtlinge, die wir durch unseren Wohlstand ohne Rücksicht auf die Natur erschaffen, nicht aufgeführt. Dabei sind diese Menschen die leidtragenden unserer Lebensweise. Unter dem Video finden sie eine kleine Beschreibung zu Klimaflüchtlingen.

Umweltflüchtling

Definition

Umweltflüchtlinge sind nicht als Flüchtling im Sinne von Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention (Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge) von 1951, als Konventionsflüchtling, anerkannt. Dieser völkerrechtliche Vertrag legt im Geiste der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 – noch gänzlich beeinflusst von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs – explizit rein persönliche und soziale Gründe als Legitimation für eine Flucht zugrunde, nämlich „Verfolgung aus Gründen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung“. Nicht erfasst sind aber materielle persönliche Notlagen, wie Hunger oder gravierende wirtschaftliche Probleme, und alle äußeren Umstände, wie Krieg oder eben Umweltdegradation und Naturkatastrophen. Auch das Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1967, in dem die zeitliche und räumliche Begrenzung verworfen wurde, die ursprünglich in der Genfer Flüchtlingskonvention ausgesprochen worden war, folgt diesem Begriff. Diese Abkommen wurden von etwa 150 der weltweit rund 200 Staaten ratifiziert, und gelten daher als internationaler Standard im Asylwesen. Das Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) orientiert sich bisher bei seiner Definition von Flüchtlingen an der Beschreibung in der Genfer Konvention. Erst in jüngeren Veröffentlichungen widmet sich der UNHCR dem Phänomen und erkennt Naturkatastrophen als Grund für Flüchtlingsbewegungen an.

Bis Anfang der 2000er bestand lediglich in Schweden, Finnland und den USA die Möglichkeit, aufgrund von Naturkatastrophen ein temporäres Asylrecht zu erlangen. Die beiden zentralen Richtlinien der Europäischen Union, die über die UN-Flüchtlingskonvention hinausgehen, die Qualifikationsrichtlinie (Anerkennungsrichtlinie, 2004/2011, subsidiärer Schutz) und Massenzustrom-Richtlinie (2001, vorübergehenden Schutz) geben bisher keine Möglichkeit, Wirtschaftsflüchtlinge als solche anzuerkennen, sie beziehen sich explizit auf Verfolgung respektive Vertreibung.

Ursachen

Als Ursache für das Entstehen von Umweltflüchtlingen werden zahlreiche verschiedene Umweltveränderungen genannt, darunter Desertifikation, Bodenerosion, Versalzung der Böden und Wassermangel. Aufgrund von Klimaveränderungen infolge der Globalen Erwärmung werden möglicherweise zukünftig zahlreiche Klimaflüchtlinge in gemäßigtere Klimazonen auswandern
müssen.

Nach Frank Biermann lassen sich die Ursachen für Umweltflucht in vier Hauptgruppen einteilen:

  1. Deposition – durch Umweltverschmutzung wie übermäßigen Pestizideinsatz unwirtschaftlich oder sogar unbewohnbar gemachte Gebiete
  2.  Degradation – lokale Umweltzerstörung, welche die bisherige Lebensweise unmöglich macht, z. B. durch Wassermangel
  3. Desaster – Naturkatastrophen, auch menshlich induzierte
  4. Destabilisierung – durch Umweltzerstörung gestresste und schließlich auseinanderfallende soziale Netze, eine bis hin zu Kriegen führende Entwicklung

Klimaflüchtlinge
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Der Klimawandel kann laut den Vereinten Nationen durch vier Ursachen zu Migrationsbewegungen führen. Dazu gehören der Verlust von Staatsgebiet durch den steigenden Meeresspiegel, die Folgen dieses Anstiegs in Form von Küstenerosion oder Versalzung küstennaher Gebiete, sich ausweitende Wüsten, und schließlich durch den Klimawandel bedingter Mangel an Ressourcen wie Wasser oder Boden

Umfang

Aufgrund lückenhafter Statistiken, einer fehlenden rechtlichen Definition und damit einhergehend erfassungsmäßigen Schwierigkeiten gibt es keine exakten Zahlen zum Ausmaß von Umweltflucht. Laut einer Studie des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) waren im Jahr 2008 weltweit 36 Millionen Menschen infolge von Naturkatastrophen auf der Flucht, 17 Millionen im Jahr 2009 und über 42 Millionen 2010. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt die Zahl der Klimaflüchtlinge für das Jahr 2050 auf ca. 200 Millionen Menschen.

Frédérik Kok vom norwegischen Büro des IDMC zufolge könne man annehmen, „dass die Zahl der Vertriebenen aufgrund großer Entwicklungsprojekte und Naturkatastrophen fünf- bis sechsmal höher liegt als die der Opfer von politischen Konflikten.“ Kok nennt auch Zahlen, die vom Zentrum für Katastrophenforschung (CRED) herausgegeben wurden, nach denen im Zusammenhang mit Umweltproblemen und -katastrophen im Jahr 2006 etwa 145 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen wurden.

Einige Schätzungen wurden auch kritisiert. So war die Universität der Vereinten Nationen (UNU) noch 2005 davon ausgegangen, dass die Zahl der Umweltflüchtlinge bis zum Jahr 2010 auf bis zu 50 Millionen gestiegen sein würde. Die damals vorhergesagten hohen umweltbedingten Fluchtraten haben sich jedoch nicht erfüllt, einige der dabei avisierten Regionen zeigen nach wie vor ein Bevölkerungswachstum

 

Quellen:

Textpassagen; Wikipedia

Karte:Von KVDP – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15840672

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